Moodboard erstellen für ein Webdesign-Projekt
Wie aus einer vagen Vorstellung eine sichtbare Gestaltungsrichtung wird: Schritt für Schritt zum Moodboard, das Diskussionen abkürzt und Entwürfe lenkt.
Ein Moodboard ist eine Sammlung von Bildern, Farben, Schriften und Gestaltungsbeispielen, die zeigt, wie sich eine Website anfühlen soll, bevor die erste Seite entworfen ist. Sie erstellen es, indem Sie die gewünschte Wirkung in wenigen Adjektiven festlegen, passendes Material sammeln, streng aussortieren und jedes Element beschriften. Das Ergebnis ersetzt lange Beschreibungen wie “modern, aber nicht kühl” durch etwas, worauf alle Beteiligten zeigen können.
Welche Programme sich für die Arbeit eignen, steht im Überblick über Design-Werkzeuge. Hier geht es um das Vorgehen.
Wofür ein Moodboard im Webdesign gut ist
Begriffe wie “hochwertig”, “freundlich” oder “klar” versteht jeder anders. Ein Moodboard macht diese Vorstellungen sichtbar und damit diskutierbar. Es hilft in drei Situationen besonders:
- Zu Projektbeginn, wenn noch keine Markenfarben oder Schriften feststehen.
- Bei mehreren Beteiligten, etwa wenn Geschäftsführung, Marketing und Gestaltung eine gemeinsame Richtung finden müssen.
- Bei Aufträgen an Dritte, weil ein Board dem beauftragten Designbüro mehr sagt als jede Textbeschreibung. Wie Sie solche Aufträge vorbereiten, beschreibt der Ratgeber Webdesigner beauftragen.
Ein Moodboard ist kein Entwurf. Es legt keine Seitenaufteilung fest und zeigt keine fertigen Seiten. Es beantwortet die Frage nach der Stimmung, nicht nach der Struktur.
Schritt 1: Ziel und Wirkung festlegen
Bevor Sie das erste Bild sammeln, schreiben Sie auf, wofür das Board gedacht ist und welche Wirkung die Website haben soll. Bewährt hat sich eine kurze Liste mit drei bis fünf Adjektiven, ergänzt um ein oder zwei Begriffe, die ausdrücklich nicht gemeint sind.
| Soll wirken | Soll nicht wirken |
|---|---|
| ruhig, natürlich, sorgfältig | verspielt, laut |
| direkt, jung, energiegeladen | steif, behördlich |
| sachlich, vertrauenswürdig, präzise | kühl, abweisend |
Die Gegenbegriffe sind oft wertvoller als die Wunschbegriffe, denn sie verhindern Missverständnisse. “Modern” kann minimalistisch oder grell bedeuten, “modern, aber nicht kühl” grenzt die Richtung deutlich ein.
Schritt 2: Material sammeln
Sammeln Sie zunächst großzügig und ohne viel zu bewerten. Für Webprojekte lohnt es sich, gezielt nach diesen Kategorien zu suchen:
| Kategorie | Was Sie sammeln | Wofür es später dient |
|---|---|---|
| Fotos und Bildstil | Lichtstimmung, Bildausschnitte, Personen oder keine | Bildauswahl, Fotobriefing |
| Farben | Farbflächen, Farbmuster aus Fotos | Farbpalette |
| Schriften | Schriftmuster, Plakate, Buchtitel, Überschriften | Schriftwahl und Kombination |
| Texturen und Formen | Papier, Holz, runde oder eckige Formen | Hintergründe, Ecken, Linien |
| Interface-Beispiele | Buttons, Navigation, Karten, Formulare | Komponenten und Detailgestaltung |
| Illustrationen und Icons | Strichstärke, Füllung, Stil | Icon- und Illustrationsstil |
Gute Quellen sind Fotos aus dem eigenen Umfeld, Druckerzeugnisse, Architektur, Verpackungen und natürlich andere Websites. Achten Sie darauf, nicht nur Websites aus der eigenen Branche zu sammeln. Gerade fremde Bereiche liefern Ideen, die sich vom Wettbewerb abheben.
Schritt 3: Kuratieren und aussortieren
Der wichtigste Schritt ist das Weglassen. Legen Sie alles Gesammelte nebeneinander und fragen Sie bei jedem Element: Passt es zu den Adjektiven aus Schritt 1? Elemente, die nur “schön” sind, aber eine andere Richtung zeigen, fliegen raus. Ebenso Dubletten, also mehrere Bilder, die dasselbe aussagen.
Erfahrungsgemäß bleiben von einer großen Sammlung nur ein Bruchteil übrig. Das ist gewollt: Ein Board mit klarer Linie ist hilfreicher als eine Sammlung schöner Einzelstücke.
Schritt 4: Anordnen und gewichten
Ordnen Sie die verbliebenen Elemente auf einer Fläche an. Dabei gilt:
- Ein Leitbild bekommt den größten Platz. Es fasst die Stimmung am besten zusammen.
- Farben stehen als eigene Farbfelder am Rand oder unten, mit Farbcode, sobald er feststeht.
- Schriften erscheinen als Musterzeilen mit echten Wörtern, nicht nur als Alphabet.
- Ähnliches gruppieren: Bildstil zu Bildstil, Interface-Beispiele zusammen.
Die Größe eines Elements sollte seiner Bedeutung entsprechen. Wenn eine Texturprobe genauso groß ist wie das Leitbild, liest das Board sich, als wären beide gleich wichtig.
Schritt 5: Beschriften und erklären
Ein Moodboard ohne Notizen lässt zu viel Raum für Interpretation. Schreiben Sie an jedes Element kurz, was genau gemeint ist: “Lichtstimmung, nicht das Motiv”, “die abgerundeten Ecken der Karten”, “Schriftcharakter, aber kräftiger”. So wird klar, dass ein Foto von einem Café nicht bedeutet, dass auf der Website Cafés zu sehen sein sollen.
Notieren Sie außerdem bei jedem Bild die Quelle. Das hilft später, Inspiration und lizenzierte Bilder sauber zu trennen.
Mehrere Richtungen statt einer
Wenn die Richtung noch offen ist, erstellen Sie zwei oder drei Boards mit unterschiedlicher Ausrichtung, etwa “warm und handwerklich”, “klar und technisch” und “kräftig und plakativ”. Die Beteiligten wählen dann eine Richtung oder kombinieren Elemente. Das ist schneller, als ein einziges Board immer wieder zu überarbeiten.
Eine Erweiterung ist das sogenannte Stylescape: ein Board, auf dem nicht nur Fremdmaterial liegt, sondern schon erste eigene Gestaltungselemente in der gewählten Richtung, etwa ein Button, eine Überschrift in der Wunschschrift oder eine Karte mit Bild. Es schlägt die Brücke vom Moodboard zum ersten Entwurf.
Analog oder digital?
Beide Wege führen zum Ziel. Die Unterschiede liegen im Alltag:
| Kriterium | Analog (Pinnwand) | Digital |
|---|---|---|
| Haptik, Materialien | echte Papiere und Stoffe fühlbar | nur als Foto |
| Farbwerte | müssen nachträglich bestimmt werden | per Pipette sofort auslesbar |
| Zusammenarbeit | nur vor Ort | ortsunabhängig, gleichzeitig |
| Links und Animationen | nicht möglich | Links zu Beispielen, Videos, Bewegungen |
| Änderungen | umstecken | schnell, mit Versionen |
Für Webprojekte hat sich die digitale Variante durchgesetzt, weil das Ergebnis ohnehin am Bildschirm betrachtet wird. Eine physische Pinnwand kann trotzdem sinnvoll sein, wenn eine Marke stark über Materialien und Druck wirkt.
Vom Moodboard zur Gestaltung
Das fertige Board ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Daraus leiten Sie die nächsten Bausteine ab:
- Farbpalette: Die Farbfelder werden zu Haupt-, Akzent- und Neutralfarben. Wie Sie daraus eine belastbare Palette mit Abstufungen und Kontrastprüfung bauen, erklärt der Artikel Farbschema für die Website finden.
- Schriften: Aus den Schriftmustern wählen Sie eine Schrift für Überschriften und eine für Fließtext.
- Bildstil: Die Fotos werden zur Grundlage für ein kurzes Bildbriefing oder die Auswahl von Lizenzbildern.
- Formensprache: Ecken, Linien und Abstände fließen in die ersten Komponenten ein.
Sobald diese Entscheidungen stehen, werden sie im Styleguide festgehalten. Wie das geht, beschreibt der Artikel Styleguide und Designsystem.
Das Board präsentieren und abstimmen
Ein Moodboard entfaltet seine Wirkung erst im Gespräch. Schicken Sie es nicht nur per Link herum, sondern stellen Sie es kurz vor: Was war das Ziel, welche Adjektive gelten, was ist mit den einzelnen Bereichen gemeint? Bitten Sie die Beteiligten dann um konkrete Rückmeldungen statt um ein allgemeines Urteil. Hilfreiche Fragen sind:
- Welches Element trifft die gewünschte Wirkung am besten?
- Welches passt nicht und warum?
- Fehlt etwas, das unbedingt dazugehört?
Halten Sie das Ergebnis schriftlich fest, am besten direkt auf dem Board. Eine kurze Notiz wie “Richtung B freigegeben, Bildstil aus A übernehmen” verhindert, dass dieselbe Diskussion bei den ersten Entwürfen noch einmal geführt wird.
Typische Fehler
- Zu viele Elemente: Wer alles zeigt, zeigt keine Richtung.
- Nur Websites der eigenen Branche: Das Ergebnis sieht dann aus wie alle anderen.
- Keine Beschriftung: Jeder liest etwas anderes aus demselben Bild.
- Bilder aus dem Board auf der Website: Inspirationsbilder sind nicht automatisch lizenziert.
- Board und Ziel passen nicht zusammen: Ein verspieltes Board für ein sachliches Fachportal führt zu Entwürfen, die niemand will.
Checkliste: Ist Ihr Moodboard fertig?
- Drei bis fünf Adjektive und ein bis zwei Gegenbegriffe sind festgelegt.
- Bildstil, Farben, Schriften und Interface-Beispiele sind vertreten.
- Ein Leitbild ist klar erkennbar.
- Jedes Element ist beschriftet: Was genau ist gemeint?
- Zu jedem Bild ist die Quelle notiert.
- Alle Beteiligten haben die Richtung bestätigt.
Mit einem solchen Board starten die ersten Entwürfe nicht bei null, und spätere Diskussionen lassen sich mit einem Blick auf die gemeinsame Grundlage abkürzen.
Fragen und Antworten
Wie viele Bilder gehören auf ein Moodboard?
Eine feste Zahl gibt es nicht. In der Praxis wirken Boards mit etwa 15 bis 30 sorgfältig ausgewählten Elementen am klarsten. Wer deutlich mehr zeigt, verwässert die Richtung, wer nur drei oder vier Bilder nimmt, gibt zu wenig Orientierung für Farben, Schrift und Bildstil.
Darf ich fremde Bilder für ein Moodboard verwenden?
Für ein internes Arbeitsmittel, das nur im Projektteam genutzt wird, sammeln viele Gestalter Inspirationsbilder aus dem Netz. Veröffentlichen sollten Sie ein solches Board nicht, und kein Bild daraus darf ohne passende Lizenz auf die fertige Website. Notieren Sie am besten zu jedem Bild die Quelle, damit später klar ist, was nur Inspiration war.
Was ist der Unterschied zwischen Moodboard und Styleguide?
Das Moodboard steht am Anfang und zeigt eine Richtung, es ist offen und darf Widersprüche enthalten, die noch zu klären sind. Der Styleguide entsteht später und legt verbindlich fest, welche Farben, Schriften, Abstände und Komponenten gelten. Aus einem guten Moodboard lässt sich der Styleguide Schritt für Schritt ableiten.
Brauche ich für ein Moodboard spezielle Software?
Nein. Eine Pinnwand mit Ausdrucken funktioniert genauso wie eine digitale Fläche. Für Webprojekte sind digitale Boards praktisch, weil sich Farbwerte direkt auslesen und Links zu Beispielen ablegen lassen. Geeignet sind Whiteboard-Werkzeuge, Design-Programme wie Figma oder Penpot und Pinnwand-Dienste.
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Vom Logo, vom Foto, vom Farbkreis oder vom Wettbewerb aus: sieben Wege zu einer Palette, die zur Website passt und im Alltag funktioniert.
- Styleguide und Designsystem
Farben, Schriften, Abstände und Komponenten einmal festlegen und überall gleich verwenden: wie ein Styleguide entsteht und wann daraus ein Designsystem wird.
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Ein neutraler Leitfaden für Auftraggeber: wie Sie ein Briefing schreiben, Angebote vergleichen, Kosten einordnen und im Vertrag die wichtigen Punkte regeln.