Tipps für ansprechendes Webdesign
Konkrete Verbesserungen für neue und bestehende Websites: vom ersten Bildschirm über Lesbarkeit und Bilder bis zu Buttons, mit Checkliste zum Abhaken.
Viele Websites scheitern nicht an fehlender Kreativität, sondern an Details: zu kleine Schrift, ein unklarer erster Eindruck, ein Button, der nicht wie einer aussieht. Die folgenden Tipps setzen genau dort an. Sie eignen sich für neue Projekte ebenso wie für die Überarbeitung einer bestehenden Seite. Am Ende steht eine Checkliste zum Abhaken.
1. Der erste Bildschirm entscheidet
Der Bereich, den Besucher sehen, ohne zu scrollen, muss drei Fragen beantworten: Wo bin ich? Was bekomme ich hier? Was kann ich tun? Eine klare Überschrift, ein erklärender Satz und ein sichtbarer nächster Schritt leisten das besser als ein bildschirmfüllendes Foto mit Slogan. Bildwechsler, sogenannte Slider, wirken auf den ersten Blick lebendig, die Inhalte ab dem zweiten Bild werden aber oft kaum beachtet. Ein starkes Motiv mit klarer Aussage ist meist die bessere Wahl.
2. Lesbarkeit vor Originalität
Texte sind der Kern fast jeder Website. Damit sie gelesen werden:
- Fließtext auf dem Bildschirm eher bei 16 bis 18 Pixeln ansetzen, nicht kleiner,
- Zeilenabstand etwa beim 1,5-Fachen der Schriftgröße,
- Zeilen nicht zu lang: rund 60 bis 75 Zeichen gelten als angenehm,
- dunkler Text auf hellem Grund mit ausreichendem Kontrast,
- Absätze kurz halten und mit Zwischenüberschriften gliedern.
Wie Schriftgrößen, Schriftpaare und Webfonts zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Typografie im Web.
3. Weniger Farben, mehr Wirkung
Eine Palette aus einer Hauptfarbe, einer Akzentfarbe und neutralen Tönen genügt für die meisten Websites. Die Akzentfarbe reservieren Sie für das, was angeklickt werden soll. Wird sie überall eingesetzt, verliert sie ihre Signalwirkung. Eine bewährte Faustregel für die Verteilung ist 60-30-10: rund 60 Prozent Grundton, 30 Prozent Sekundärfarbe, 10 Prozent Akzent. Mehr zu Farbkreis, Farbschemata und Farbwirkung steht unter Farbgestaltung.
4. Weißraum bewusst einsetzen
Freier Raum ist keine Verschwendung. Er gruppiert Inhalte, lenkt den Blick und lässt einzelne Elemente wirken. Wenn eine Seite unruhig wirkt, hilft es oft mehr, Abstände zu vergrößern und Elemente zu streichen, als neue hinzuzufügen.
5. Bilder mit Aufgabe
Jedes Bild sollte etwas zeigen, das der Text nicht ebenso gut sagen kann: das Produkt, den Ort, das Ergebnis, einen Ablauf. Austauschbare Stockfotos von lachenden Menschen am Laptop bleiben selten in Erinnerung. Achten Sie auf eine einheitliche Bildsprache, also ähnliche Farben, Lichtstimmung und Bildausschnitte, und auf die Technik: Fotos als WebP oder AVIF in der tatsächlich benötigten Größe, Logos und Icons als SVG. Details dazu im Ratgeber Pixel, Auflösung und Bildformate.
6. Buttons, die nach Buttons aussehen
Ein Call-to-Action, also die Aufforderung zum nächsten Schritt, muss als klickbar erkennbar sein: eine Fläche mit ausreichendem Kontrast, genug Innenabstand und ein Text, der sagt, was passiert. “Angebot vergleichen” oder “Katalog herunterladen” ist aussagekräftiger als “Hier klicken” oder “Mehr”. Pro Bildschirmbereich sollte es eine Hauptaktion geben, weitere Optionen treten optisch zurück, zum Beispiel als umrandeter Button.
7. Navigation: kurz, eindeutig, immer gleich
Fünf bis sieben Hauptpunkte reichen für die meisten Websites. Benennen Sie sie mit den Worten der Besucher, nicht mit internen Begriffen. Die Navigation steht auf jeder Seite an derselben Stelle, die aktuelle Seite ist hervorgehoben. Bei vielen Inhalten helfen eine Suchfunktion und eine Brotkrumen-Navigation, die zeigt, wo man sich gerade befindet.
8. Mobil testen, nicht nur ansehen
Öffnen Sie die Website auf einem echten Smartphone und erledigen Sie typische Aufgaben: Telefonnummer antippen, Formular ausfüllen, Menü öffnen und schließen. Häufige Probleme sind zu kleine Tippflächen, Texte, die seitlich aus dem Bildschirm laufen, und Einblendungen, die sich nicht schließen lassen. Der Ratgeber Responsive Webdesign erklärt die Grundlagen.
9. Vertrauen sichtbar machen
Besucher wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Ein vollständiges Impressum, eine verständliche Datenschutzerklärung, erreichbare Kontaktdaten und aktuelle Inhalte schaffen Vertrauen. Ein Blog, dessen letzter Beitrag Jahre alt ist, wirkt dagegen schnell verlassen.
10. Schnell laden
Jede Sekunde Wartezeit kostet Aufmerksamkeit. Die größten Bremsen sind meist übergroße Bilder, viele Schriftschnitte, eingebettete Videos und zahlreiche Skripte von Drittanbietern. Prüfen Sie, was davon wirklich nötig ist.
Checkliste: ansprechendes Webdesign
| Bereich | Prüffrage |
|---|---|
| Erster Eindruck | Versteht man in fünf Sekunden, worum es geht und was man tun kann? |
| Hierarchie | Ist die wichtigste Überschrift deutlich größer als alles andere? |
| Lesbarkeit | Fließtext mindestens 16 Pixel, Zeilen nicht über rund 75 Zeichen? |
| Kontrast | Erreicht Fließtext mindestens 4,5 zu 1 gegenüber dem Hintergrund? |
| Farben | Gibt es eine klare Akzentfarbe für klickbare Elemente? |
| Weißraum | Sind Abschnitte deutlich voneinander getrennt? |
| Bilder | Zeigt jedes Bild etwas Relevantes, ist es komprimiert und hat es einen Alternativtext? |
| Buttons | Sagt jeder Button, was passiert, und gibt es pro Bereich eine Hauptaktion? |
| Navigation | Höchstens sieben Hauptpunkte, aktuelle Seite markiert, überall an gleicher Stelle? |
| Mobil | Lässt sich alles auf dem Smartphone bedienen, ohne zu zoomen? |
| Vertrauen | Impressum, Datenschutz und Kontakt mit einem Klick erreichbar? |
| Ladezeit | Bilder in passender Größe, nur benötigte Schriften und Skripte? |
Wer die Checkliste durchgegangen ist, hat die häufigsten Schwachstellen abgedeckt. Für die Prinzipien dahinter lohnt ein Blick in die Grundlagen guter Gestaltung, für die Zugänglichkeit in den Ratgeber Barrierefreies Webdesign.
Alle Artikel zu Webdesign-Tipps
- 01Weißraum
Freier Raum gruppiert Inhalte, lenkt den Blick und macht Texte lesbar. So setzen Sie Abstände systematisch statt nach Gefühl.
- 02Above the Fold
Überschrift, Nutzen, Hauptaktion, Beleg: was Besucher ohne Scrollen sehen sollten und welche Elemente den Startbereich verstopfen.
- 03Call-to-Action-Buttons
Welche Farbe, welcher Text, wie groß und wo: so werden Buttons als Hauptaktion erkannt und auch mit Tastatur und Finger gut bedient.
- 04Microinteractions
Ein Häkchen, das sich setzt, ein Button, der nachgibt: Wie kleine Rückmeldungen Bedienung verständlicher machen, ohne zu nerven oder zu bremsen.
Fragen und Antworten
Woran erkenne ich, ob meine Website gut gestaltet ist?
Ein schneller Test: Zeigen Sie die Startseite fünf Sekunden lang einer Person, die sie nicht kennt, und fragen Sie danach, worum es geht und was sie als Nächstes tun würde. Kann sie beides beantworten, stimmen Hierarchie und Botschaft.
Was sind die häufigsten Fehler im Webdesign?
Zu kleine oder zu blasse Schrift, überladene Seiten ohne Weißraum, zu viele Farben, Bilder ohne Bezug zum Inhalt, versteckte Kontaktdaten, unklare Buttons und Layouts, die auf dem Smartphone nicht funktionieren.
Wie oft sollte man das Design einer Website erneuern?
Es gibt keinen festen Rhythmus. Kleine Verbesserungen lassen sich laufend umsetzen. Ein kompletter Relaunch ist sinnvoll, wenn Technik, Inhalte und Gestaltung gleichzeitig nicht mehr passen, etwa weil die Seite mobil schlecht funktioniert oder sich nicht mehr pflegen lässt.
Weiterlesen
- Webdesign-Grundlagen
Hierarchie, Raster, Kontrast und Konsistenz: die Prinzipien, nach denen gute Websites aufgebaut sind, und wie Sie sie im eigenen Projekt anwenden.
- Barrierefreies Webdesign
Kontraste, Alternativtexte, Tastaturbedienung und klare Formulare: was eine Website zugänglich macht und welche Pflichten das BFSG seit Juni 2025 mit sich bringt.
- Farbgestaltung
Farbkreis, Farbschemata, Farbwirkung und Farbcodes: wie eine stimmige Palette für Website und Marke entsteht und worauf es beim Kontrast ankommt.