Website-Relaunch planen: Checkliste in 12 Schritten
Von der Bestandsaufnahme bis zur Kontrolle nach dem Livegang: zwölf Schritte, mit denen ein Relaunch weder Besucher noch Suchmaschinen-Sichtbarkeit kostet.
Ein Website-Relaunch gelingt, wenn er mit einer vollständigen Bestandsaufnahme beginnt und mit einer konsequenten Kontrolle endet. Dazwischen liegen Entscheidungen über Inhalte, Struktur und Design sowie ein lückenloser Plan, welche alte Adresse per 301-Weiterleitung auf welche neue zeigt. Die zwölf Schritte dieser Checkliste führen in dieser Reihenfolge durch das Projekt.
Wenn Sie den Relaunch nicht selbst umsetzen, sondern beauftragen, finden Sie im Ratgeber Webdesigner beauftragen Hinweise zu Briefing, Angeboten und Vertrag.
Übersicht: drei Phasen, zwölf Schritte
| Phase | Schritte | Ergebnis |
|---|---|---|
| Vorbereitung | 1 bis 4 | Ziele, URL-Liste, gesicherte Daten, Inhaltsentscheidungen |
| Umsetzung | 5 bis 9 | Struktur, Design, Inhalte, Weiterleitungsplan, Testumgebung |
| Livegang und Kontrolle | 10 bis 12 | geprüfte Website, sauberer Wechsel, beobachtete Kennzahlen |
Phase 1: Vorbereitung
Schritt 1: Ziele und Anlass festhalten
Schreiben Sie auf, warum der Relaunch stattfindet und woran Sie den Erfolg messen. Typische Anlässe sind ein veraltetes Design, eine schlecht bedienbare Technik, fehlende Darstellung auf dem Smartphone oder eine neue Ausrichtung. Messbare Ziele könnten mehr Anfragen über das Kontaktformular, kürzere Ladezeiten oder eine einfachere Pflege sein. Ohne klares Ziel lässt sich später nicht beurteilen, ob sich der Aufwand gelohnt hat.
Schritt 2: Alle bestehenden URLs erfassen
Erstellen Sie eine vollständige Liste aller Adressen der bisherigen Website: Seiten, Beiträge, Kategorien, PDF-Dateien und Bilder, die direkt verlinkt werden. Quellen dafür sind die XML-Sitemap, ein Crawler, der die Website abläuft, die Berichte der Google Search Console und die Statistiken des Webanalyse-Werkzeugs.
Diese Liste ist das wichtigste Dokument des gesamten Relaunchs. Eine Tabellenkalkulation eignet sich gut, weil sich Spalten für Zugriffe, Links und die spätere Zieladresse ergänzen lassen. Wer Filter, Sortieren und einfache Formeln sicher beherrscht, spart hier viel Zeit. Die nötigen Grundlagen erklärt der Artikel Microsoft Excel lernen.
Schritt 3: Daten sichern
Halten Sie vor dem Umbau den Ausgangszustand fest:
- Zugriffszahlen pro Seite über einen längeren Zeitraum, idealerweise ein Jahr,
- Suchanfragen, Klicks und Positionen aus der Search Console,
- Seiten mit eingehenden Links von anderen Websites,
- Seiten, über die Anfragen, Bestellungen oder Anmeldungen entstehen,
- eine vollständige Sicherung der alten Website samt Datenbank.
Diese Werte sind die Messlatte für den Vergleich nach dem Livegang.
Schritt 4: Für jede Seite entscheiden
Ergänzen Sie in der URL-Liste eine Spalte mit einer Entscheidung pro Seite:
| Entscheidung | Wann | Folge |
|---|---|---|
| Behalten | Inhalt ist aktuell und gefragt | übernehmen, Adresse möglichst gleich lassen |
| Überarbeiten | Thema wichtig, Text veraltet | neu schreiben, Adresse beibehalten oder umleiten |
| Zusammenlegen | mehrere dünne Seiten zum selben Thema | eine starke Seite, alle alten Adressen dorthin umleiten |
| Entfernen | veraltet, ohne Zugriffe und ohne Links | löschen, auf passende Seite umleiten oder Fehlerstatus |
Seiten mit vielen Zugriffen, Links oder Anfragen sollten besonders sorgfältig behandelt werden. Hier entstehen die größten Verluste, wenn etwas schiefgeht.
Phase 2: Umsetzung
Schritt 5: Struktur und URL-Konzept
Legen Sie die neue Seitenstruktur fest: Hauptbereiche, Unterseiten, Navigation. Planen Sie dabei auch die Adressen. Gute URLs sind kurz, sprechend, kleingeschrieben und folgen einem einheitlichen Muster. Ändern Sie Adressen nur, wenn es einen echten Grund gibt. Jede Änderung braucht eine Weiterleitung.
Schritt 6: Design und Technik
Erst jetzt beginnt die Gestaltung. Entwürfe sollten die Grundsätze guter Gestaltung berücksichtigen, also klare Hierarchie, ausreichend Kontrast, konsistente Bausteine und eine Darstellung, die auf allen Bildschirmgrößen funktioniert. Einen Überblick gibt der Ratgeber Grundlagen guter Gestaltung. Bei der Technik geht es um das System, die Pflegbarkeit, Ladezeiten und Barrierefreiheit. Ob ein Baukasten oder eine individuelle Lösung passt, vergleicht der Artikel Baukasten oder individuelles Design.
Schritt 7: Inhalte übertragen und überarbeiten
Übertragen Sie die Inhalte gemäß den Entscheidungen aus Schritt 4. Achten Sie dabei auf:
- Seitentitel und Beschreibungen für Suchmaschinen,
- Überschriftenstruktur mit genau einer H1 pro Seite,
- Alternativtexte für Bilder,
- interne Links, die auf die neuen Adressen zeigen, nicht auf alte,
- Impressum und Datenschutzerklärung, angepasst an neue Werkzeuge und Dienste.
Schritt 8: Den Weiterleitungsplan erstellen
Ergänzen Sie in der URL-Liste für jede alte Adresse die neue Zieladresse. Dabei gelten diese Regeln:
- Eins zu eins: Jede alte Seite zeigt auf die inhaltlich passendste neue Seite.
- Dauerhaft: Für einen Umzug wird der Statuscode 301 verwendet, nicht 302.
- Keine Ketten: Eine Weiterleitung zeigt direkt auf das endgültige Ziel, nicht auf eine weitere Weiterleitung.
- Nicht pauschal auf die Startseite: Besucher sollen finden, was sie gesucht haben.
- Varianten mitdenken: Adressen mit und ohne
www, mit und ohne abschließenden Schrägstrich, alte Domains.
Ohne Entsprechung bleibt eine alte Adresse besser mit einem klaren Fehlerstatus, etwa 404 oder 410, als dass sie auf eine unpassende Seite führt.
Schritt 9: Testumgebung einrichten und schützen
Bauen Sie die neue Website auf einer separaten Testumgebung auf. Diese muss vor Suchmaschinen geschützt sein, am sichersten per Passwortschutz. Sonst kann es passieren, dass die Testversion in den Suchergebnissen auftaucht und mit der echten Website konkurriert.
Phase 3: Livegang und Kontrolle
Schritt 10: Vor dem Livegang testen
| Bereich | Was Sie prüfen |
|---|---|
| Links | keine defekten internen Links, keine Links auf die Testumgebung |
| Weiterleitungen | Stichproben und vollständiger Test der URL-Liste |
| Formulare | Absenden, Empfang der Nachricht, Fehlermeldungen |
| Darstellung | Smartphone, Tablet, Desktop, verschiedene Browser |
| Ladezeit | wichtigste Seiten in PageSpeed Insights oder Lighthouse |
| Barrierefreiheit | Kontraste, Tastaturbedienung, Alternativtexte |
| Suchmaschinen | Titel, Beschreibungen, Canonical, robots.txt, XML-Sitemap |
| Tracking | Webanalyse misst, Ereignisse kommen an |
| Recht | Impressum, Datenschutz, Einwilligungsbanner, falls nötig |
Schritt 11: Livegang
Planen Sie den Wechsel für einen ruhigen Zeitpunkt, an dem Sie selbst erreichbar sind, und nicht direkt vor einem Wochenende oder Urlaub. Nach dem Umschalten:
- Schutz der Testumgebung von der Live-Website entfernen, Sperren in robots.txt und noindex-Angaben prüfen.
- Weiterleitungen sofort live testen.
- Neue XML-Sitemap in der Search Console einreichen.
- Bei einem Domainwechsel die Adressänderung in der Search Console melden.
- Tracking und Formulare noch einmal auf der Live-Website prüfen.
Schritt 12: Beobachten und nachbessern
Ein Relaunch ist mit dem Livegang nicht abgeschlossen. Beobachten Sie in den folgenden Wochen:
- Fehlerberichte der Search Console, vor allem nicht gefundene Seiten,
- Zugriffe auf Seiten, die vorher stark besucht waren,
- Klicks und Positionen im Vergleich zu den gesicherten Werten,
- Anfragen und Conversions.
Leichte Schwankungen in den ersten Wochen sind normal, während Suchmaschinen die neuen Adressen verarbeiten. Tauchen alte Adressen ohne Weiterleitung in den Fehlerberichten auf, ergänzen Sie sie zügig.
Wer macht was?
Gerade wenn Dienstleister beteiligt sind, sollten Zuständigkeiten vorab feststehen. Eine einfache Aufteilung:
| Aufgabe | Typischerweise zuständig |
|---|---|
| Ziele, Inhaltsentscheidungen, Freigaben | Auftraggeber |
| URL-Liste und Datensicherung | gemeinsam, technische Erfassung meist durch Dienstleister |
| Struktur, Design, Umsetzung | Dienstleister, Abstimmung mit Auftraggeber |
| Texte, Bilder, Rechtstexte | Auftraggeber oder gesondert beauftragt |
| Weiterleitungen, Tests, Livegang | Dienstleister, Abnahme durch Auftraggeber |
| Kontrolle nach dem Livegang | gemeinsam, mit festem Termin |
Halten Sie im Angebot fest, ob die URL-Inventur, der Weiterleitungsplan und die Kontrolle nach dem Livegang enthalten sind. Diese Punkte fehlen in Angeboten erfahrungsgemäß am häufigsten.
Die häufigsten Fehler beim Relaunch
- Keine vollständige URL-Liste, deshalb fehlen Weiterleitungen.
- Testumgebung ohne Schutz, die in den Suchergebnissen landet.
- Sperre gegen Suchmaschinen wird nach dem Livegang nicht entfernt.
- Alle alten Seiten werden auf die Startseite umgeleitet.
- Gut besuchte Inhalte werden gekürzt oder gelöscht, ohne die Zahlen zu prüfen.
- Tracking funktioniert nach dem Wechsel nicht, und der Vergleich fehlt.
Wer die zwölf Schritte der Reihe nach abarbeitet und die URL-Liste als zentrales Dokument pflegt, vermeidet die meisten dieser Fehler.
Fragen und Antworten
Warum sind 301-Weiterleitungen beim Relaunch so wichtig?
Alte Adressen sind in Suchmaschinen, Lesezeichen und Links auf anderen Websites gespeichert. Ohne Weiterleitung landen Besucher auf einer Fehlerseite, und Suchmaschinen verlieren die Verbindung zwischen alter und neuer Seite. Eine 301-Weiterleitung zeigt dauerhaft auf die neue Adresse und sorgt dafür, dass Besucher und die gewachsene Bewertung der Seite möglichst erhalten bleiben.
Darf ich alle alten Seiten auf die Startseite umleiten?
Davon ist abzuraten. Wer eine bestimmte Seite sucht und auf der Startseite landet, findet nicht, was er wollte. Suchmaschinen behandeln solche Sammelweiterleitungen oft wie nicht mehr vorhandene Seiten. Leiten Sie jede alte Adresse auf die inhaltlich passendste neue Seite um. Gibt es keine Entsprechung, ist ein klarer Fehlerstatus ehrlicher.
Wie lange sollten Weiterleitungen bestehen bleiben?
Mindestens so lange, bis Suchmaschinen die neuen Adressen übernommen haben und kaum noch Zugriffe auf die alten Adressen kommen. In der Praxis empfiehlt es sich, Weiterleitungen dauerhaft beizubehalten, solange alte Links auf anderen Websites existieren. Sie kosten wenig und verhindern verlorene Besucher.
Wie lange dauert ein Website-Relaunch?
Das hängt stark vom Umfang ab. Eine kleine Website mit wenigen Seiten lässt sich in einigen Wochen neu aufsetzen, umfangreiche Websites mit vielen Inhalten, Schnittstellen oder mehreren Sprachen brauchen deutlich länger. Den größten Zeitbedarf haben erfahrungsgemäß die Inhalte, nicht das Design.
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